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was mich beschäftigt Teil II |
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| 23.05.2005 09.09 | Anwu | was mich beschäftigt Teil II |
Beschneidung
wird es ein Sohn, soll er beschnitten werden.
und zwar am besten gleich in den ersten Tagen nach der Geburt!
muss das sein? finde ich.
ja, findet mein Mann.
und zwar nicht aus religiösen oder ästhetischen Gründen. sondern einfach, weil man das so macht.
meine Mutter findet es so etwas wie 'barbarisch'.
ich weiss nicht so genau, wie ich es finde (es wird ja sowieso ein Mädchen! :P ).
einerseits denke ich, dass mein Mann das dann ganz alleine organisieren soll, wenn er es schon unbedingt will. ich will nichts damit zu tun haben.
auf der anderen Seite kann ich mir auch nicht vorstellen, das Baby gerade in dem Moment alleine zu lassen.
bin mal wieder ratlos.
Anwu |
| 23.05.2005 09.36 | joan | RE: was mich beschäftigt Teil II |
anwu!
du kannst es ja so machen, wie es üblich ist.
das arme baby kannst du gerade in so einer situation nicht allein ihm überlassen, obwohl es ihn nicht kümmert, wenn es leidet.
also ziehst du es durch, und wenns vorbei ist, ist es eh vorbei, und war ja nicht so schlimm.
er hat seinen willen und du gibts als braves frauchen nach, übernimmst die tradition, findest sie sogar noch toll, weil jetzt viel schöner aussieht, und alles ist gut.
wenn es komplikationen geben sollte, naja, dann wars er (oder doch du?)...;)
joan |
| 23.05.2005 10.06 | Wahala | RE: was mich beschäftigt Teil II |
Hi Anwu
Mich hat diese Frage damals auch sehr beschäftigt. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich keinen Mann hatte, der mich zu irgendwas gedrängt hat, sondern eher mein eigener Glaube und natürlich meine Familie für die es "ganz klar" wahr, dass mein Sohn beschnitten wird.
Für mich war es auch "ganz klar". Die Frage war eher das "wie".
"Ganz klar" war es mir aus verschiedenen Gründen. 1. (aus meiner Sicht) schadet es meinem Sohn nicht. 2. Würde er unbeschnitten eher unter den anderen beschnittenen Kindern (jüdisch/israelisches Umfeld) leiden (im Sinne von: "ich bin anders, ich gehör nicht dazu" 3. Müsste es vielleicht später sowieso gemacht werden aus medizinischen Gründen. Gründe die dagegen sprechen, fand ich damals keine. (Ich würde auch heute wieder so handeln). 4. Würde er es später vielleicht auch selber wollen und dann wäre es um einiges schmerzhafter und problematischer.
Dann kam aber die grosse Frage nach dem "wie". Ich befragte verschiedene Ärzte nach ihren Möglichkeiten. Ich stellte es mir einfach hygienischer vor die Beschneidung in einem Spital vorzunehmen. Die Möglichkeiten waren: 1. Operation mit Vollnarkose (wenn das Kind älter als 2 Jahre ist) oder 2. "abschnüren" Es wird also ein Faden drum gebunden bis das Teilchen abfällt. Bei dem Gedanken wurde mir schlecht!
Mir wurde dann von mehreren Ärzten empfohlen mich an einen jüd. Moel (Beschneider) zu wenden. Weil dieser viel mehr Erfahrung hätte und es so viel unkomplizierter wäre.
Erst hab ich mich dagegen gesträubt. Als ich mich aber dafür entschieden habe (die Zeit drängte), wurde mein Sohn - wie im Judentum vorgesehen - am 8. Tag beschnitten. Bei meinen Eltern zuhause unter der Führung des Moels. Es war wirklich eine sehr schöne und ergreifende Zeremonie. Mein Sohn hat jedenfalls weniger geweint als ich.
Wie gesagt: Ich würde wieder genauso handeln.
Ich denke, es ist sehr wichtig, dass Du auch dahinter stehst. Überleg Dir gut, ob Du das wirklich willst. Die Verantwortung einfach so abzugeben fände ich persönlich nicht gut. Wie erklärst Du das dann später Deinem Sohn?
Barbarisch finde ich eine Beschneidung allerdings nicht, wenn sie professionell ausgeführt wird. Und genau deswegen ist es wichtig, dass Du Dich nicht ausklinkst, sondern eine Person deines Vertrauen findest, bei der Du sicher sein kannst, dass alles gut gemacht wird.
Liebe Grüsse
Wahala |
| 23.05.2005 10.06 | Anwu | RE: was mich beschäftigt Teil II |
das Aussehen finde ich das blödeste Argument.
ich werde dem Baby schliesslich auch nicht die Nase operieren lassen, nur weil sie vielleicht schief steht.
ich habe mittlerweile einfach mit so vielen Leuten geredet, dass ich ganz konfus bin.
die einen meinen, es sei wirklich kein Problem.
zudem müsse man es bei zu enger Vorhaut oft später nachholen. also lieber gleich machen, nicht erst später.
es hat nichts mit bravem Frauchen zu tun... aber vielleicht damit, dass ich meinem Mann in dieser Sache - die wirklich wichtig ist für ihn - die Entscheidungsfreiheit lassen möchte.
Anwu |
| 23.05.2005 10.13 | joan | RE: was mich beschäftigt Teil II |
es hat nichts mit bravem frauchen zu tun, wenn du etwas machst, was du mit einem anderen mann niemals gemacht hättest?
ich habe nichts dagegen, wenn du deinen sohn beschneiden läßt.
unnötige operationen an kleinkindern halte ICH jedoch immer vor eine anmaßung, ein eingriff über den kopf des "besitzers" hinweg.
traditionen, die eingriffe solcher art durchführen und dabei überhaupt nicht zugänglich sind für jegliche art der hinterfragung, sind mir einfach suspekt.
aber du hast immerhin die hoffnung, dass so ein eingriff in den allermeisten fällen glimpflich verläuft.
ist es gerade bei deinem sohn anderes, und er ist eben gerade der soundsovielte, bei dem es schiefgeht, seis drum.
one pikin goes, another one comes...
joan
nachtrag:
Hat Beschneidung Risiken?
Ja. Wie jeder andere chirurgische Eingriff, hat auch die Beschneidung Risiken. Diese beinhalten:
starkes Bluten
Infektionen
Komplikationen von der Betäubung
Chirurgische Fehler, inklusive Verlust der Eichel oder des ganzen Penis
Tod
(Anm. d. Ü.: Meatal-Stenose, eine Verengung des Meatus, die einen weiteren chirurgischen Eingriff nötig macht, ist außerdem in den USA eine nicht seltene Folgeerscheinung der Baby-Beschneidung)
Viele Beschnittene leiden an:
Starker Vernarbung
Hautbrücken
Einreißen und Bluten an der Narbe
Verkrümmung des Penis
Stramme, schmerzhafte Erektionen
Schwierigkeiten beim Ejakulieren
Impotenz
dem Gefühl, verletzt zu sein
dem Gefühl, verstümmelt zu sein
Alle Beschnittenen verlieren etwas oder sogar die meiste Empfindlichkeit in ihrer Eichel und die gesamte Empfindlichkeit ihrer Vorhäute.
Beschneidung könnte weitere Risiken und Komplikationen beinhalten, die noch nicht erkannt oder verstanden werden."
" |
| 23.05.2005 10.19 | Wahala | RE: was mich beschäftigt Teil II |
Original von joan
aber du hast immerhin die hoffnung, dass so ein eingriff in den allermeisten fällen glimpflich verläuft.
ist es gerade bei deinem sohn anderes, und er ist eben gerade der soundsovielte, bei dem es schiefgeht, seis drum.
one pikin goes, another one comes...
?( 8o |
| 23.05.2005 10.23 | joan | RE: was mich beschäftigt Teil II |
ja wahala, meinst du, da kräht der hahn danach, wenn ein baby stirbt?
du sagts selber, du würdest es wieder tun.
wäre dein sohn daran gestorben, würden es alle anderen beschneidungs-befürwortenden frauen trotzdem wieder tun.
verstorbene kleinkinder zählen nichts.
wenns nun passieren würde, würde herr anwu halt ein neues kind "ansetzen".
ich bin nicht sarkasitsch, nur realistisch.
oder meinst du, er würde es wiedererwecken oder für immer dem kinderwunsch entsagen??
joan |
| 23.05.2005 10.35 | Wahala | RE: was mich beschäftigt Teil II |
Hi Joan
Ich finde es ziemlich krass wie Du das schreibst. Da würden mich die Sterberate bei Beschneidungen in der Schweiz bzw. Deutschland oder Österreich interessieren.
Mir ist jedenfalls kein einziger Fall in der Schweiz bekannt, bei dem ein Kind bei einer jüdischen Beschneidung gestorben wäre.
Und wenn wirklich so etwas passieren würde - was ich absolut niemandem wünsche - dann finde ich es ziemlich daneben, gleich davon auszugehen, dass die Eltern gleich ein neues Kind "ansetzen". Also echt!
Wahala |
| 23.05.2005 10.40 | joan | RE: was mich beschäftigt Teil II |
wahala, dann lebst du aber in einem träumeland.
es ist einfach so, dass kein hahn danach kräht.
hat denn deine jüdische gemeinde eine statistik?
ich denke auch nicht, dass hier in österreich so viel beschnitten wird.
tatsache ist, dass keine risikofreien eingriffe gibt.
wer ein körperteil eines andern menschen abschneidet, muss damit rechnen, dass das auch ins auge gehen kann, auch wenn der prozentsatz gering sein mag.
für den betroffenen ist es schwer genug.
wenn ich damit die risiken der nicht-beschneidung vergleiche, also den körper so belasse, wie er von natur aus vorgesehen ist, ist das risiko um etliches geringer. |
| 23.05.2005 10.44 | Wahala | RE: was mich beschäftigt Teil II |
Hi
Die Chance, dass es "ins Auge geht" ist um einiges geringer, wenn man es professionell machen lässt. Deshalb auch mein Ratschlag an Anwu, sich hier einzuklinken. Es gibt überall Scharlatane, auch in Europa.
Was mich schockiert hat, war Deine Reaktion bezüglich eines möglichen Todes des Kindes.
Wahala |
| 23.05.2005 10.47 | joan | RE: was mich beschäftigt Teil II |
ok, ich bin krass und bösartig.
wie meinst du denn, dass die reaktion wäre? |
| 23.05.2005 10.52 | tinaxyz | RE: was mich beschäftigt Teil II |
Original von Wahala
Die Chance, dass es "ins Auge geht" ist um einiges geringer, wenn man es professionell machen lässt.
Und die Chance, dass es ins Auge geht, weil man es nicht machen lässt, ist am geringsten. |
| 23.05.2005 11.10 | Bine | RE: was mich beschäftigt Teil II |
Ja, und wenn ich meine Kinder überhaupt NICHT mehr nach draussen lasse, dann können sie auch nicht von einem Auto überfahren werden...
Das Leben ist voller Möglichkeiten und jeder hat die Wahl, die Entscheidungen zu treffen, die er persönlich als richtig empfindet.
Meine zwei Jungs sind auch beschnitten.
Die Ärzte im KH haben sich nach der Geburt geweigert, den Eingriff durchzuführen, da sie dies mit vorsätzlicher Körperverletzung gleichstellten. (Was ja schon eine ziemlich klare Aussage darstellt).
Mein Großer war ungefähr 3 Jahre alt, mein Kleiner schon 6, als die OP dann trotzdem gemacht werden musste, weil beide an Vorhautverengung litten.
Der Große hat sehr gelitten nach der OP, am Kleinen ging sie fast spurlos vorüber.
Mein Kleiner stand 2 Stunden danach auf, zog sich an und wir gingen heim (ich brauchte ihn nicht zu tragen, er wollte alleine gehen!).
Es gab keine Tränen beim Verbandwechsel und kein Drama beim Klogehen.
Ich bin keine Jüdin. Ich kenne keinen jüdischen Beschneider.
Hätte ich aber einen gekannt, dann wären meine zwei Jungs im Alter von 8 Tagen von einem Moel beschnitten worden.
Heute denke ich darüber übrigens anders.
Ich weiß nicht, ob es das Alter ist oder einfach die Tatsache, daß ich mehr darüber gelesen habe (u.a. die Beiträge Joans und Berichte im WWW).
Sollte ich noch einen Jungen bekommen (was Gott verhüten möge), dann würde ich ihn nicht mehr ohne Grund beschneiden lassen wollen.
Auch dann nicht, wenn - wie bei uns - mein Mann darauf bestehen würde.
Es ist mir völlig egal, ob ich mich damit einem der dringlichsten Wünsche meines Gatten widersetzen würde - ich würde nie etwas Derartiges tun, ohne SELBST davon überzeugt zu sein.
Und die Wahl zwischen dem Wunsch (m)eines Mannes und dem Wohlergehen meiner Kinder würde mir nicht mal schwer fallen...
Von der Notwendigkeit der männlichen Beschneidung bin ich (Ästhetik hin oder her) schon lange NICHT mehr überzeugt.
Bine |
| 23.05.2005 11.24 | tinaxyz | RE: was mich beschäftigt Teil II |
Original von Bine
Ja, und wenn ich meine Kinder überhaupt NICHT mehr nach draussen lasse, dann können sie auch nicht von einem Auto überfahren werden...
da hast du Recht. Nur das eine ist ein persönlicher Wunsch eines oder beider Elternteile (in der Regel ist eine Beschneidung in den ersten Lebensmonaten nicht medizinisch notwendig) und das andere ist ein Bedürfnis des Kindes z.B. nach Bewegung.
Hier muss klar unterschieden werden zwischen eigenen Wünschen und Bedürfnissen und denen des Kindes. |
| 23.05.2005 11.35 | shana | |
Unser Sohn ist mit knapp zwei Jahren wegen einer Vorhautverengung beschnitten worden. Ansonsten hätte weder mein Mann noch ich darauf bestanden.
Ich weiß aber sehr genau, dass Herr Sohn - wenn er nicht schon beschnitten wäre - von sich aus darauf bestehen würde, denn 1. ist's der Papa auch, deshalb wäre es ihm schon sehr wichtig, 2. war er in KiTa und Grundschule ein Exot, was ihm gut gefallen hat, 3. sind heutzutage recht viele in seiner Klasse ebenfalls beschnitten - mittlerweile folgt er eher dem mainstream und 4. sagt er selbst, er findet die unbeschnittenen Piepmätze nicht schön anzusehen.
Ich bin allerdings ganz froh darüber, dass er uns nicht vorwirft, ihn "verstümmelt" zu haben. Vor langer Zeit habe ich nämlich mal irgendwo gelesen, dass sich in Amerika einige Zwangsbeschnittene tatsächlich Gewichte an die Resthaut hängen, damit die wenigstens ein bisschen länger wird. O.o Da hatte ich schon Schiss, dass unser kleiner Herr das vielleicht auch mal machen will. |
| 23.05.2005 11.36 | Chinara | |
Ich findes dies ist ganz allein eine Entscheidung der Eltern.
Wenn Du und Dein Mann Euch einig seid, dann lasst es machen. Wenn allerdings Du bedenken hast oder nicht dahinterstehst, dann würde ich es auch nicht machen lassen.
Es klingt bei Dir @ Anwu so, als würdest Du es eben Deinem Mann zuliebe machen, aber WARUM??? Schliesslich ist es auch Dein Kind.
Ich würde es nur machen lassen, wenn beide dahinter stehen.
Falls ich mal einen Sohn bekommen sollte, so wird er beschnitten, weil ich es auch so möchte. Nur wegen meinem Partner würde ich meine Meinung nicht ändern.
LG Chinara |
| 23.05.2005 11.42 | tinaxyz | |
Original von Chinara
Ich findes dies ist ganz allein eine Entscheidung der Eltern.
Sicher ist es das. Das Kleinkind kann dazu ja noch gar keine eigene Meinung haben und somit keine Entscheidung treffen. |
| 23.05.2005 11.48 | Afusat | |
Unser Sohn wurde mit 3 Monaten im Kinderkrankenhaus beschnitten.
Der Eingriff verlief ohne komplikationen . Er hatt auch hinterher nicht vor Schmerzen geweint . Eher vor Hunger . Nach ein paar Tagen war alles verheilt . Er konnte sogar auf dem Bauch schlafen ohne zu weinen . ICh persönlich glaube , wenn man es machen lassen will , so früh wie möglich. |
| 23.05.2005 11.51 | Chinara | |
@ Tina
Klar kann das Kind nichts dazu sagen, dies ist eben so, wenn es um ein Baby geht.
Was ich aber mehr oder weniger damit gemeint habe, ist das Reinreden von anderen, z.B. Oma und Opa, Verwandte und Bekannte usw.
LG Chinara |
| 23.05.2005 12.25 | Itohan | |
Ich bin ziemlich froh dass es ein Mädchen wurde, genau aus diesem Grund. Aber das Problem besteht bei uns weiter, da es für uns beide klar ist dass Ameze kein Einzelkind bleiben soll.
Ich bin überhaupt kein Befürworter von Beschneidungen, aber wenn ich meinen Mann dafür verurteile dass er seinen Sohn (aus heutigem Standpunkt) unbedingt beschneiden lassen will, kann ich ihn gleich verlassen (oder mich sterilisieren lassen).
Das einzige was ich tun werde ist mich rauszuhalten und mein Mann weiss inzwischen was das heisst. Ich gehe davon aus dass er es nicht im ersten Lebensjahr tun wird wenn ich ihn davon überzeugen kann dass ich mich komplett raus halten werde (Trost und Pflege wäre dann seine Aufgabe).
Mal sehen. Was mich ein bisschen irritiert dass hier Frauen gerade abgeurteilt werden als Beschneidungsbefürworterinnen deren Männer es bei den Söhnen machen liessen. |
| 23.05.2005 12.27 | bembe | |
hallo Anwu
Mein Mann und ich hatten die gleichen Diskussionen bevor unser Sohn vor bald zwei Jahren geboren wurde. (Wir wussten das Geschlecht).
Mein Mann wollte ihn unbedingt beschneiden lassen. Seine Argumente waren die Hygiene und dass unser Sohn sich als nichtbeschnittener Schwarzer seltsam vorkommen würde.
Mein Argumente waren, dass es uns nichts angeht, dass wir ihm das Waschen beibringen können und dass unser Sohn sich selbst entscheiden darf, wo er sich zugehörig fühlen wird. Immerhin ist er genausoviel weiss wie schwarz.
Meine Hauptsorge war die absichtliche Verletzung eines unversehrten Kindes.
Anfangs haben wir uns gestritten, jeder hat auf seiner Position verharrt. Dann haben wir uns darauf geeinigt, dass alleine unser Sohn diese Entscheidung treffen kann. Er ist also unbeschnitten. Sollte er allerdings irgendwann, wenn er alt genug ist, diese Entscheidung zu treffen, den Wunsch nach Beschneidung haben, bekommt er unsere volle Unterstützung.
PS: seit der Geburt war das nie wieder ein Thema. Ich glaube nicht, dass mein Mann eine Beschneidung unseres Sohnes durchgestanden hätte. Er konnte schon einen Tag nichts mehr essen, als bei unserer Tochter am dritten Tag aus der Ferse Blut abgezapft wurde. ;)
Ich würde mich auf jeden Fall immer wieder für mein Kind einsetzen. Einige Dinge sind eben nicht Sache der Eltern. Die kann nur die Person selbst entscheiden. |
| 23.05.2005 12.41 | joan | |
was irritiert dich daran?
es ist keine aburteilung sondern eine feststellung.
mein eigener standpunkt ist auch nicht immer so gefestigt gewesen.
hätten wir die beschneidungen damals durchgezogen, wäre ich heute wohl auch bei den befürworterinnen, ausser es wäre schief gegangen... |
| 23.05.2005 12.45 | tinaxyz | |
Original von Chinara
Klar kann das Kind nichts dazu sagen, dies ist eben so, wenn es um ein Baby geht.... ist das Reinreden von anderen, z.B. Oma und Opa, Verwandte und Bekannte usw.
du meinst also, nur Leute sollen entscheiden, die davon betroffen sind. So wie die Mutter und der Vater, die ja dann später ein beschnittenes Kind haben werden.
Dass das Kind dabei nicht mitreden muss, ist mir nun endlich auch klar... :rolleyes: |
| 23.05.2005 12.46 | tinaxyz | |
Original von Itohan
Was mich ein bisschen irritiert dass hier Frauen gerade abgeurteilt werden als Beschneidungsbefürworterinnen deren Männer es bei den Söhnen machen liessen.
die Männer schreiben hier ja nicht.... |
| 23.05.2005 12.58 | Itohan | |
Mich irritiert dieser Satz: "er hat seinen willen und du gibts als braves frauchen nach, übernimmst die tradition, findest sie sogar noch toll, weil jetzt viel schöner aussieht, und alles ist gut."
Und zwar erinnert er mich an David Signers umstrittener Text über Frauen mit afrikanischen Partner der so lustig sein soll. |
| 23.05.2005 13.02 | joan | |
ito, mich irritieren ganz andere sachen.
wenn du es machen lassen würdest an söhnen oder töchtern, tätest du es als braves frauchen, und nicht aus eigener überzeugung.
was willst du von mir?
die nette unergiebige art?
ich bin dem wesen nach brutal.
ich esse auch tiere, die ich selber töte... |
| 23.05.2005 13.07 | bembe | |
Stimmt! Dieser Satz (Frauchen,...) irritiert ein wenig.
Dennoch hatte auch ich im Forum schon oft das Gefühl, dass in diesem Punkt die Kultur des Mannes viel mehr respektiert wird.
Ich habe das Gefühl, dass viel mehr Frauen ihre Söhne den Männern zuliebe beschneiden lassen, als dass die Männer den Frauen zuliebe davon absehen.
Warum das so ist, habe ich mich oft gefragt. Ist der Wille des anderen wichtiger als der eigene? |
| 23.05.2005 13.15 | Anwu | |
Mich irritiert dieser 'Frauchen-Satz' auch.
er ist provokativ, und er weckt in mir das GEfühl, mich rechtfertigen zu müssen.
dabei würde ich es eher so beschreiben wie Joan im anderen Posting: mein Standpunkt ist noch nicht wirklich gefestigt.
ich weiss nicht so recht, ob ich wirklich vehement dagegen bin.
was klar ist: die Frage, ob Beschneiden oder nicht, ist meinem Mann viel wichtiger als mir.
es bedeutet ihm wirklich etwas. mir nicht unbedingt, weil ich nicht denke, dass das Kind bleibende Schäden davon tragen wird.
vielleicht müsste ich mir zuerst einmal selber klar werden, was ich wirklich davon halte.
das wollte ich eigentlich hier im Forum tun... mit dieser Diskussion.
also, dranne blibe.
Anwu |
| 23.05.2005 13.17 | Itohan | |
Deshalb habe ich geschrieben "Frauen deren Männer es machen lassen wollen" und nicht Frauen die es machen lassen wollen.
Joan, kannst du dir vorstellen dass es Menschen gibt die in gewissen Situationen sich absolut schwer tun mit Kompromissen?
Schlussendlich gibt es dann jemanden, den du hier "braves Frauchen" oder "braves Männchen" nennst, bei uns ist das kaum zu vermeiden. |
| 23.05.2005 13.31 | Bine | bembe |
Original von bembe
Stimmt! Dieser Satz (Frauchen,...) irritiert ein wenig.
Dennoch hatte auch ich im Forum schon oft das Gefühl, dass in diesem Punkt die Kultur des Mannes viel mehr respektiert wird.
Ich habe das Gefühl, dass viel mehr Frauen ihre Söhne den Männern zuliebe beschneiden lassen, als dass die Männer den Frauen zuliebe davon absehen.
Warum das so ist, habe ich mich oft gefragt. Ist der Wille des anderen wichtiger als der eigene?
Liebe Bembe,
ich würde meinen Willen NIEMALS einem Mann unterordnen.
Und das Gefühl, das du hast, habe ich auch!
Aber bring das mal einer Frau bei, die Unterordnung mit Liebe und Respekt verwechselt.
Es ist doch wohl so, daß sich in den allermeisten Fällen die Männer durchsetzen. Einfach deshalb, weil viele Frauen (sie nennen das gemeinhin "Liebe") Streit aus dem Wege gehen und weil sie unter Umständen den "häuslichen Frieden" und ihr Wolkenkuckucksheim mit einem klaren und deutlichen "NEIN!" gefährden würden.
Weil sie dann nämlich der Realität ins Auge blicken müssten.
Wer bei solchen (wichtigen) Dingen anfängt zu kämpfen, wird u.U. feststellen, daß es mit der Konflikt- und Kompromissfähigkeit des eigenen Ehegatten nicht so weit her ist. Nur kommt diese Erkenntnis eben erst dann, wenn man aufhört "Ja" zu sagen und nicht mehr nach Entschuldigungen oder gar Rechtfertigungen für bestimmtes Verhalten sucht (à la: "Es ist halt seine Kultur"...)
Es mag wohl egoistisch klingen, aber wenn mein Wille nicht dem Willen meines Mannes entspricht, ich gleichwohl aber von der Richtigkeit meiner Denkweise überzeugt bin, dann bin ich mir selbst der Nächste.
Die Meinung KEINES einzigen Mannes ist mir mehr wert als meine eigene.
Bine |
| 23.05.2005 13.36 | Jasintha | |
Wie sieht die Sache denn gesetzlich aus: Müssen beide Elternteile der Beschneidung schriftlich zustimmen, damit sie durchgeführt wird - oder könnte es ein Eternteil auch alleine machen lasssen? Damit meine ich jetzt natürlich eine offizielle operative Entfernung der Vorhaut im Krankenhaus oder bei einem qualifizierten Arzt (heimlich geht natürlich alles).
Allerdings frage ich mich, wie Eltern, bei denen der eine Teil pro under der andere kontra Beschneidung ist, auf einen gemeinsamen Nenner kommen können. Beide wollen doch aus ihrer Sicht das Beste für ihren Sohn, und beide haben dieselben Rechte, dieses sog. Beste auch durchzusetzen. Für mich ein großes Problem: einer von Beiden muss immer nachgeben (oder anders betrachtet: klein beigeben).
Joan, entweder ist die Frau das dumme, kleine Frauchen oder der Mann das dumme, große Männchen - einen trifft es in diesem Fall immer. |
| 23.05.2005 13.46 | zebrahead | |
Aber aber liebe Frauen. Ich habe etwas Mühe mit einigen Ihrer Aussagen. Ist ein beschnittenes Schnäbi (Penis) wirklich hübscher als ein unbeschnittenes? Von der Hygiene ganz zu schweigen, diese hängt meines wissen in erster Linie von der Sorgfältig- und Häufigkeit der Wascheinheiten ab.
Dass einige von ihnen die Meinung Ihres "Husband's" vertreten und sich wehement für eine Beschneidung einsetzten Irritiert und stimmt nachdenklich. Findet Ihr eine Frau, deren Schamlippen nicht beschnitten sind ebenfalls hässlich und unhygienisch, so wie das von einem grosser teil meiner Nija Brother's ohne die geringsten bedenken propagiert wird? |
| 23.05.2005 13.54 | Anwu | |
Bine, entweder schneidet man die Vorhaut ab, oder man lässt sie dran. in dieser Frage gibt es keinen Kompomiss.
Jasintha, ich gebe dir recht. eine/r muss nachgeben. warum ist der Mann stur und nicht konfliktfähig, wenn er seine Kultur durchsetzen will, und ich ein 'dummes FRauchen' wenn ich ihm das lasse?
warum ist er kompromissbereit und konfliktfähig, wenn er auf das verzichtet, was er kennt, damit ich meinen Willen durchsetzen kann? warum bin ich dann stark, nicht unterwürfig und halte Unterordnung nicht für Liebe und Respekt?
Zebrahead, ich glaube, keine Frau hier verteidigt die Beschneidung von Männern vehement.
Anwu |
| 23.05.2005 13.55 | Anwu | |
Was haltet ihr eigentlich von dem Brauch, kleinen Mädchen Löcher in die Ohren zu stechen, kaum dass sie auf der Welt sind?
das ist dann nämlich die nächste Diskussion: ein Mädchen braucht Ohrringe, damit es niemand für einen Jungen hält. |
| 23.05.2005 13.58 | Jasintha | RE: Bine |
(jetzt mal vom Thema Beschneidung abgesehen)
ich denke, in einer halbwegs guten Beziehung sollte es doch durchaus möglich sein, dass mal der eine, mal der andere Partner nachgibt. Da gibt es dann vielleicht Zeiten, in denen der eine etwas zu kurz kommt, und irgendwann ist es dann wieder umgekehrt.
Ich bin als Frau nicht unemanzipiert, nur weil ich meine Wünsche und Erwartungen in manchen Dingen zurückstelle - kann dann allerdings auch von meinem Mann verlangen, dass er es ebenfalls manchmal tut
... sonst wird die Beziehung ja ein einziger Ringkampf um Macht und Vorherrschaft. |
| 23.05.2005 14.19 | Jasintha | |
Weder das Durchstechen der Ohrläppchen bei kleinen Mädchen noch das Beschneiden der Vorhaut bei kleinen Jungen wird zu bleibenden seelischen Schäden bei den betroffenen Kindern führen. (Sonst wäre die Welt ja voll von Psychopathen)
Es ist natürlich in beiden Fällen ein Eingriff, bei dem Blut fließt, d.h. wo die Gefahr einer Infektion der Wunde vorhanden ist. Wenn ihr ihn unter hygienischen Bedingungen vornehmen lasst, dürfte es jedoch nur in den seltensten Fällen zu Komplikationen kommen. Schließlich operieren Ärzte täglich milliardenfach, ohne das der Patient Tetanus o.ä. bekommt.
Übrigens hat sich der Hausarzt eines meiner Verwandten einmal gegen eine schnelle Operation (Leistenbruch) ausgesprochen mit der Begründung, dass die Krankenhausärzte aus wirtschaftlichen Gründen viel zu schnell operieren wollen. Diese Ethik der Krankenhäuser wird offiziell jedoch öffentlich nicht angeprangert, geht es doch um viel Kohle...
Sorry, Anwu, jetzt bin ich von deinem persönlichen Problem auf ein ganz anderes gekommen. Ich wollte damit nur meine Meinung untermauern, dass die Beschneidung im ärztlichen OP-Alltag keine große Geschichte ist - da gibt es unendlich kompliziertere Fälle. |
| 23.05.2005 14.37 | Itohan | |
Aber aber Zebrahead, welche von uns Frauen hat sich denn so vehement für die Beschneidung eingesetzt?
Das ist es doch genau! Anwu hat doch nicht gesagt dass sie es so toll findet, sie hat gesagt ihr Mann will es so (und genauso habe ich es auch von uns gesagt). Und wenn du nun glaubst dass wir Frauen immer genau die gleichen Meinungen vertreten müssen wie unsere Ehemänner (sozusagen im Doppelpack :P) dann hast du wirklich keine bessere Meinung von uns Frauen als das wir nur "brave Frauchen" sind. |
| 23.05.2005 14.38 | Bine | Hi Anwu |
Hallo Anwu,
es gibt in vielen Fragen keinen Kompromiss.
Bine |
| 23.05.2005 14.51 | Itohan | |
Die Ohrlöcherfrage:
Mein Mann hat sich diesbezüglich bei der Kinderärtzin erkundigt. Sie meinte das sei eine reine Kulturfrage. Rein medizinisch gesehen sei egal ob man die Ohrlöcher mit zwei Wochen oder mit sechs Monaten sticht. Die möglichen Komplikationen seien die Gleichen. Die Meinung dass die Babies noch nichts (oder weniger) davon spüren wenn sie kleiner sind stimme nicht. Sie vergessen den Schmerz einfach schneller wieder. Man hat aber Studien mit Frühgeborenen gemacht die täglich Spritzen bekamen und festgestellt das sie sich später an den Schmerz erinnerten (ich habe nicht genau nachgefragt aber ich nehme an in einem Unterbewusstsein).
Es gibt hier ein Geschäft dass die Ohrlöcher ab zwei Monaten sticht. Ameze hat aber keine Ohrlöcher.
Du kannst deinem Mann ja sagen dass man hierzulande die Mädchen rosarot anzieht und so fällt die Notwendigkeit der Ohrlöcher weg ;-) |
| 23.05.2005 14.57 | Itohan | RE: bembe |
Bine: "Wer bei solchen (wichtigen) Dingen anfängt zu kämpfen, wird u.U. feststellen, daß es mit der Konflikt- und Kompromissfähigkeit des eigenen Ehegatten nicht so weit her ist. Nur kommt diese Erkenntnis eben erst dann, wenn man aufhört "Ja" zu sagen und nicht mehr nach Entschuldigungen oder gar Rechtfertigungen für bestimmtes Verhalten sucht (à la: "Es ist halt seine Kultur"...)"
Da gebe ich dir recht. Mein Problem war das der Audruck "braves Frauchen" für mich genauso wie "dummes braves Frauchen" gewirkt hat, und wie du sagst gibt es in vielen Dingen keinen Kompromiss, aber das heisst doch nicht dass jemand gleich dumm ("brav") ist.
Ich weiss schon dass ich Joan wahrscheinlich fehlinterpretiere, es ging mir nur darum darauf hinzuweisen dass z.B. Anwu sich ja sehr wohl Gedanken zum Thema macht und nicht einfach brav dem Begehren des Mannes folgt. |
| 23.05.2005 15.02 | Bine | |
Original von Anwu
Bine, entweder schneidet man die Vorhaut ab, oder man lässt sie dran. in dieser Frage gibt es keinen Kompomiss.
Jasintha, ich gebe dir recht. eine/r muss nachgeben. warum ist der Mann stur und nicht konfliktfähig, wenn er seine Kultur durchsetzen will, und ich ein 'dummes FRauchen' wenn ich ihm das lasse?
warum ist er kompromissbereit und konfliktfähig, wenn er auf das verzichtet, was er kennt, damit ich meinen Willen durchsetzen kann? warum bin ich dann stark, nicht unterwürfig und halte Unterordnung nicht für Liebe und Respekt?
Zebrahead, ich glaube, keine Frau hier verteidigt die Beschneidung von Männern vehement.
Anwu
Hallo Anwu,
wieso zerbrichst du dir den Kopf um ungelegte Eier?
Du bekommst ein Mädchen, also stellt sich die Frage der Beschneidung (noch) nicht.
Vielleicht denkst du in ein paar Jahren, wenn du evtl. noch einen Sohn bekommst, schon wieder völlig anders?
Möglicherweise bist du bis dahin nicht mehr unentschlossen, sondern entweder dafür oder dagegen.
Wenn du dafür bist, dann erübrigt sich jede Diskussion.
Bist du dagegen, dann wirst du es es wohl irgendwie auskämpfen.
Wenn man nämlich wirklich GEGEN etwas ist, dann fällt das Kämpfen nicht schwer.
Bine |
| 23.05.2005 15.47 | Nick | RE: was mich beschäftigt Teil II |
Hallo Anwu
Irgendwie hat es mich schon gewundert, daß sich zu diesem Thema ausschließlich Frauen äußern.
Eine Beschneidung ist selbsverständlich nicht 100% risikolos, hat aber auch Vorteile. Ich würde sagen, daß Du bei dieser Sache nicht so sehr den Machtkampf zwischen Dir und Deinem Mann sehen solltest. Wenn Du einen guten Arzt hast, dem Du vertraust, dann würde ich mich dort an Deiner Stelle einmal ausgiebig aufklären und beraten lassen. Dann ist es bestimmt auch leichter, das Thema noch einmal mit Deinem Mann zu besprechen. Er liebt doch Euren Sohn auch und will ihm nicht schaden.
Was Joan über die Risiken u. Folgen geschrieben hat, sehe ich übrigens nicht so. Das war schon sehr "Horror"
Nick |
| 23.05.2005 16.24 | Anwu | |
Originally posted by Bine
Du bekommst ein Mädchen, also stellt sich die Frage der Beschneidung (noch) nicht.
das ist eben noch nicht so klar...
aber ich sollte es bald wissen, was es wird. |
| 23.05.2005 16.37 | Speedy | im Kleinkinderalter Ohrringe für Mädchen |
Hallo
Es ist wirklich in einigen Ländern Tradition, dass man wenn das Kind ca. 6 Monate bis 1 Jahr alt ist Löcher schiesst für Ohrringe, zbs in Italien und auch in der Tschechei. Eine Kollegin von mir ist Tschechin und hat ihrer Tochter mit ca. 10 Monaten Ohrringe verpasst. Ich persönlich finde es viel zu früh, aber in der Tschechei ist es eine Tradition und Traditionen sind schwer zu durchbrechen.
Grüsse
Speedy |
| 23.05.2005 16.45 | Helena | Meinungsänderung |
Meinem Mann war es auch sehr wichtig, dass unser Sohn beschnitten wird. Ich habe mich mit ihm unterhalten und seinen Standpunkt verstanden. Dann habe ich gelesen, mit Ärzten gesprochen und kam zum persönlichen Ergebnis, dass dieser Angriff zu verantworten wäre, zumal es manchmal aus medizinischen Gründen ohnehin gemacht werden muss. Somit habe ich die Beschneidung akzeptiert.
Die Ärzte haben uns allerdings gesagt, dass es in der Schweiz mit Vollnarkose gemacht werden MUSS und somit nicht gleich nach der Geburt gemacht werden soll. Als mein Mann dann den Kleinen sah, hat er den Plan gleich aufs Jahre hinausgeschoben und so blieb unser Sohn unbeschnitten.
Gott sei dank. Ich habe nur solange gedacht, dass es in Ordnung und „vertretbar“ wäre, bis unser Sohn anfing, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und die „Herrschaft“ über sein Körper zu übernehmen. Ich könnte mir heute überhaupt nicht vorstellen, eine Entscheidung über seinen Körper treffen zu wollen noch ihn eine solche treffen zu lassen, solange ich nicht sicher bin, dass er dazu reif ist. Egal, ob es sich dabei um Beschneidung, Ohrlöcher (von denen ich persönlich einige habe) oder Tatoos handelt. Das sind Veränderungen, die nicht notwendig sind und nicht rückgängig gemacht werden können, dürfen daher meiner Meinung nach nicht von Dritten und nicht ohne reife Entscheidung getroffen werden.
Wir haben seit langem nicht über dieses Thema geredet und ich werde meine Meinungsänderung meinem Mann nicht an die Nase binden, solange es nicht nötig ist. Ich weiss aber, dass ich um die Unversehrtheit meines Sohnes kämpfen werde, auch wenn es einen Megastreit bedeuten sollte. So wie ich es heute sehe, geht es dabei nicht um „meinen oder seinen Willen durchzusetzen“ – es geht um den Körper eines Dritten, über den wir nicht willkürlich zu entscheiden haben. Soll er eines Tages die Beschneidung selbst wollen, werde ich dem nicht im Wege stehen, es soll aber allein seine Entscheidung sein.
Ich bin so unendlich dankbar, dass mein Mann meine „Einwilligung“ nicht in Tat umgesetzt hat. Ich wüsste nicht, wie ich heute meine Entscheidung meinem Sohn gegenüber rechtfertigen sollte. Ich wüsste es nicht, weil es nicht meine Überzeugung war, daher hätte ich nicht dahinter stehen können.
Heute kommt es mir so vor, als dass ich meinem Mann zu liebe meinen Sohn „opfern“ wollte. Was für ein Schwachsinn....
Gruss, H. |
| 23.05.2005 17.00 | tinaxyz | RE: bembe |
Original von Itohan
Da gebe ich dir recht. Mein Problem war das der Audruck "braves Frauchen" für mich genauso wie "dummes braves Frauchen" gewirkt hat, und wie du sagst gibt es in vielen Dingen keinen Kompromiss, aber das heisst doch nicht dass jemand gleich dumm ("brav") ist.
...
Anwu sich ja sehr wohl Gedanken zum Thema macht und nicht einfach brav dem Begehren des Mannes folgt.
sicherlich, Itohan. Nur: sie macht sich jetzt Gedanken - aber was wird sie denn im Endeffekt tun?
Sie deutet ja an: ihr ist es nicht wichtig, eigentlich egal, aber ihrem Mann ist es sehr sehr wichtig. Und warum auf etwas bestehen, was ihr nicht wichtig ist, ihm aber schon?
Man kann halt spekulieren, warum ist es ihr nicht wichtig? Weil sie einen Streit fürchtet?
Ich stelle mir das ganze sehr sehr schwierig vor... Auf der einen Seite der Mann, dem es wichtig ist und auf der anderen Seite ich, der es nicht wichtig ist und die eher auf "körperliche Unversehrtheit" plädiert.
Es ist nicht einfach - und es ist tatsächlich einer dieser Sachen, bei der kein Kompromiss möglich ist: Einer muss nachgeben, um des lieben Friedens willen- und derjenige ist dann in der Regel doch die Frau, und somit durchaus als "braves Frauchen" zu bezeichnen. Sehr überspitzt natürlich, aber nicht ungerechtfertigterweise.
Denn: wem von uns ist es tatsächlich wirklich egal, ob das eigene Kind einer Operation unterzogen wird? Niemandem, entweder man ist dafür oder dagegen oder man traut sich nicht, eine echte Meinung zu haben bzw. hat noch keine Notwendigkeit dazu.
Aber wenn das Kind da ist und es soll beschnitten werden, dann sagt sicherlich keine, dass es ihr egal ist. |
| 23.05.2005 17.02 | tinaxyz | RE: Meinungsänderung |
Original von Helena
Ich habe nur solange gedacht, dass es in Ordnung und „vertretbar“ wäre, bis unser Sohn anfing, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und die „Herrschaft“ über sein Körper zu übernehmen.
eben- aber nur weil ein Baby sich nicht äußern kann und noch keine "Vorstellung" seines Körpers hat, heißt es noch lange nicht, dass man mit ihm machen kann "was man will". |
| 23.05.2005 17.13 | Bine | @Tina |
Hallo Tina,
gut formuliert!
Das wollte ich mit meinem Beitrag auch zum Ausdruck bringen.
Allerdings finde ich deinen jetzt ja fast NOCH besser:-)
Bine |
| 23.05.2005 17.18 | Anwu | RE: @Tina |
Natürlich würde es mir sehr leid tun, mein Baby leiden zu sehen. es weiss nicht, warum ihm dieser Schmerz angetan wird, kann es nicht verstehen.
auf der anderen Seite gibt es aber immer wieder Mütter, deren Söhne keine Schmerzen hatten, oder zumindest nicht weinten. und wenn, dann vielleicht nur wegen der ungewohnten Situation. (es gibt auch Babys, die wegen dem kalten Taufwasser krähen wie am Spiess).
auf keinen Fall aber möchte ich als 'dummes follow-follow Frauchen' dastehen, das zu allem Ja und Amen sagt, was der Göttergatte bestimmt und wünscht.
ich glaube, diese Angst ist fast noch grösser, als die Bedenken über die Beschneidung.
und deshalb muss ich ja fast dagegen kämpfen. ich kann ja nicht einfach so hinnehmen, was mein Mann will.
und gerade die Beiträge hier im Forum haben mir das wieder ganz deutlich bewusst gemacht.
Anwu |
| 23.05.2005 17.18 | Helena | RE: Meinungsänderung |
Du hast vollkommen recht, aber irgendwie ist mir diese Denke in diesem Moment wie „abhanden gekommen“. Bei all der Leibe und dem Beschützerinstinkt hatte ich ein Gefühl, das ist Unseres Kind = ein Teil von uns = wir sollen (und können) mit ihm machen, was wir für richtig halten. Diese Denke hielt solange an, bis mein Sohn mir beibrachte, dass was ich will und für richtig halte nicht unbedingt das ist, was er für gut hält. Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass er noch vieles gar nicht beurteilen kann (z.B. werden wir nicht mit dem Zähne putzen aufhören, weile er es nicht ausstehen kann), dennoch gibt es bereits jetzt Sachen, wo ich meine Vorgehensweisen ändere, weil ich sehe, dass meine „gut gemeinten Vorhaben“ zu seiner Persönlichkeit gar nicht passen und das Durchsetzen nur meine eigenen Bedürfnisse stillen würde.
Es kommen langsam die ersten Schamgefühle, das erste entschiedene „Tür zumachen, wenn man auf die Toilette geht“, die ersten Anzeichen vom sich körperlich distanzieren und selbst entscheiden, wie viel Nähe man noch empfangen und zulassen möchte etc. Ich könnte jetzt einfach nicht mehr irgendeine Entscheidung über seinen Körper treffen, die nicht medizinisch notwendig wäre.
Ich denke aber, dass mein Mann es immer noch könnte. Dass er keinen so „ausgeprägten Respekt“ vom „Eingeständigkeit“ unseres Sohnes hat wie ich. Er ist noch wie in diesem „Babyalter“ geblieben, in dem ich auch war. Neulich stellte ich mir die Frage, was wäre, wenn er jetzt noch die Beschneidung wollte und stellte fest, dass mir dann nichts anderes übrigbleiben würde, als mich „auf die Seite des Kindes zu schlagen“, um zu meinen Überzeugungen stehen zu können.
Aber wie gesagt, vor 4 Jahren hätte ich ohne schlechtes Gewissen in die Beschneidung eingewilligt. Ich denke, ich (und nicht unbedingt mein Sohn) hatte einen sehr guten Schutzengel :).
Gruss, H. |
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