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23.05.2005 20.45 | Itohan |
"von Psychologie, unverarbeiteten Dingen, Unterbewusstsein und so weiter hält er nicht viel. er wurde beschnitten, kann sich nicht mehr daran erinnern und deshalb hat es für ihn nicht statt gefunden."

Ja ich glaube auch nicht ernsthaft dass er einen psychologischen Schaden davon getragen hat. Als Aussenseiter konnte er sich nicht fühlen, und es gab wohl keine Komplikationen. Für deinen Sohn ist die Gefahr grösser dass er eines Tages nicht damit einverstanden ist, er wird es ja auch anders kennen lernen, wenn er hier lebt.

23.05.2005 20.47 | Schneewittchen | RE: an alle
Das heißt, du hast es nur gemacht, um deinen Mann einen Gefallen zu tun? Nur weil es bei ihm normal wäre? Wer sagt, das das normal ist? Er?

23.05.2005 20.51 | Anwu | RE: @ Liesa
Tina, der Unterschied ist wohl, dass sein Standpunkt schon immer klar war. wahrscheinlich denkt er seit er denken kann, dass er seine Söhne einmal beschneiden lassen wird.
ich habe erst angefangen, darüber nachzudenken, seit ich ihn kenne, seit ich schwanger bin.

mein STandpunkt ist also nicht im geringsten so klar wie seiner.
deshalb nehme ich nicht an, dass es ihm ums Kämpfen geht.
ich weiss, dass es ihm wichtig ist. extrem wichtig. auch wenn er es nicht in Argumente packen kann, um mich zu überzeugen.

er ist 100%-ig überzeugt, dass eine Beschneidung besser ist für seinen Sohn.

die religiösen Argumente haben wir schon durch. es ist nicht gegen Gott. Jesus meinte zwar, man sei kein schlechter Mensch, wenn man unbeschnitten sei. aber es mache nichts, so lange auch der Rest stimme...

Anwu

23.05.2005 20.52 | Bine | @Anwu
Original von Anwu
Ich habe noch einmal mit meinem Mann darüber geredet.
er hofft mittlerweile auch, dass es ein Mädchen wird! :P

nein, Spass beiseite. er war erstaunt, dass ich wieder mit dem Thema komme. für ihn sah es so aus, als sei alles geklärt.

was mir jetzt klar geworden ist: er hat überhaupt keine Argumente. because it's a nice thing, sagt er. wäre er nicht beschnitten, würde er sich gleich heute beschneiden lassen. es muss einfach sein. warum? das weiss er selber nicht.

ich merke einfach, dass es ihm ganz extrem wichtig ist.

von Psychologie, unverarbeiteten Dingen, Unterbewusstsein und so weiter hält er nicht viel. er wurde beschnitten, kann sich nicht mehr daran erinnern und deshalb hat es für ihn nicht statt gefunden.

so ist es natürlich schwierig, zu diskutieren. ich habe viele gute ARgumente (hier im Forum gesammelt! :D ), er hat keine. aber 'meine' zählen nicht.
aber er findet, es müsse schon sonst immer nach meinem Kopf gehen.

ich weiss mittlerweile nicht mehr so genau, um was es mir geht. dass dieser kleine Eingriff (doch, für mich ist es noch ein kleiner Eingriff) nicht vorgenommen wird, oder darum, dass ich diesen Kampf gewinne?

Anwu

Hi Anwu,

"because it`s a nice thing" ist vielleicht ein Argument, daß ich beim Kauf eines Bildes berücksichtigen würde, aber NIEMALS in Erwägung ziehen könnte, wenn es um die körperliche Unversehrtheit eines meiner Kinder ginge.

Bine

23.05.2005 20.54 | Anwu | RE: @Anwu
Originally posted by Bine
"because it`s a nice thing" ist vielleicht ein Argument, daß ich beim Kauf eines Bildes berücksichtigen würde, aber NIEMALS in Erwägung ziehen könnte, wenn es um die körperliche Unversehrtheit eines meiner Kinder ginge.



ja Bine. ein dummer Mann, der so denkt, nicht?
oder was willst du mir damit sagen?

23.05.2005 20.55 | Itohan | RE: @ Liesa
Das Wort Kampf hat mich heute vormittag schon gestört bei dieser Diskussion.

Das Problem ist aber nicht gelöst, Tina, wenn du sagst es geht um das Interesse des Kindes. Ich zumindest habe das nicht aus den Augen verloren und ich vertraue darauf dass mein Mann auch nicht auf Kosten des Kindes eine Machtdemonstration an mir exerzieren würde. Frag ihn er wird Dir antworten ihm gehe es genauso um das Interesse seines Sohnes: der Sohn soll ein schönes "Schnabi" (oder wie nennt ihr das?) haben und wenn er es spät machen lassen würde dann wäre das zu riskant für eventuelle Komplikationen.

Es ist nicht so einfach eine glückliche Einigung zu erzielen (ja obwohl es um das Baby geht müssen wir uns einigen) und ich hoffe nicht dass es nötig sein wird dass ich zum Äussersten gehe (das wäre dann die Unterschrift verweigern)

23.05.2005 20.55 | liesa | RE: Operationen im allgemeinen
Das Leben endet zu 100 % tötlich .

23.05.2005 20.55 | Anwu |
Originally posted by Itohan
Für deinen Sohn ist die Gefahr grösser dass er eines Tages nicht damit einverstanden ist, er wird es ja auch anders kennen lernen, wenn er hier lebt.

darüber mache ich mir eigentlich keine Gedanken. in seiner Schulklasse wird es einmal viele beschnittene Jungs haben.
er wird anders sein als Viele, und gleich wie andere...

23.05.2005 20.57 | Schneewittchen | RE: @ Liesa
Original von Itohan
... wenn er es spät machen lassen würde dann wäre das zu riskant für eventuelle Komplikationen.


Ist es nicht eher so: Je jünger desto gefährlicher eine OP?

23.05.2005 21.04 | tinaxyz | RE: @ Liesa
Original von Anwu
Tina, der Unterschied ist wohl, dass sein Standpunkt schon immer klar war. wahrscheinlich denkt er seit er denken kann, dass er seine Söhne einmal beschneiden lassen wird.
ich habe erst angefangen, darüber nachzudenken, seit ich ihn kenne, seit ich schwanger bin.


er hat nicht wirklich einen Standpunkt, sondern er möchte nachleben, was er als normal kennt. Er ist es gewöhnt.

Wenn ich einen Standpunkt habe, dann bin ich in der Lage, ihn darzulegen und zu begründen.


Ich möchte klarstellen, dass ich keine Wertung gegenüber deinem Mann vornehme, sondern lediglich sage, dass er für mich keinen eigenen Standpunkt hat, sondern -unreflektiert- den vorgelebten tradierten Weg gehen will.

Das ist normal, aber kein eigener Standpunkt.

23.05.2005 21.07 | liesa | RE: @ Liesa
Allso wenn ein jüdischer Beschneider das ohne Vollnarkose macht dann ... oder wie soll ich das verstehen ? ?(

23.05.2005 21.07 | tinaxyz | RE: @ Liesa
Original von Itohan
Das Problem ist aber nicht gelöst, Tina, wenn du sagst es geht um das Interesse des Kindes.

wieso nicht?

Wieso reicht es nicht, wenn ich sage, dass das Kind sein Interesse selbst bekunden können soll?
Wenn es nur um das Kindeswohl geht, sollte es doch ein Wörtchen mitzusprechen haben?
Übrigens gibt es verschiedene Richtungen: die einen sagen, es wäre besser, wenn man älter ist und sich beschneiden lässt und andere sagen das Gegenteil.

Z.B. in der Schwulenszene ist es nicht unüblich, dass man sich im Erwachsenenalter beschneiden lässt.

23.05.2005 21.08 | Anwu | RE: @ Liesa
Tina, das habe ich auch nicht so verstanden (dass du wertest).
es macht das Ganze einfach nicht leichter.

er ist so überzeugt, dass es sein muss...
ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wie ich ihn umstimmen könnte.

wenn ich denn unbedingt wollte.

23.05.2005 21.10 | Bine | RE: @Anwu
Was ich damit sagen wollte, steht in meinem Beitrag, Anwu.

Ich maße mir kein Urteil an, was die Intelligenz deines Mannes betrifft.

Er weiß zwar nicht, warum, aber er weiß immerhin, daß sein Sohn - sollte er denn irgendwann mal einen haben - beschnitten werden muss, "because it`s a nice thing" und weil es sehr wichtig für ihn ist (den Vater).
Du hast einige Argumente gesammelt, die gegen eine Beschneidung sprechen. Die zählen aber nicht.
Deine Argumente dagegen sind keinesfalls so wichtig wie die NICHT VORHANDENEN Argumente seinerseits, die dafür sprechen.
Außerdem geht es ja sonst schon immer nach deinem Kopf, deshalb ist es wohl an der Zeit, daß es jetzt mal nach SEINEM Kopf geht.

Anwu, ich weiß, du liebst deinen Mann sehr.
Und ich bin mir sicher, daß du deinen Willen - sollte es hart auf hart kommen - dem deines Mannes unterordnen wirst.

Spätestens dieses und dein vorheriges Posting haben mir das klargemacht.

Bine

23.05.2005 21.13 | Wahala | RE: @ Liesa
Hi

In welchem Alter ist denn ein Kind bereit diese Entscheidung zu treffen?

Wahala

23.05.2005 21.21 | Itohan |
Also in der Schwulenszene kenne ich mich gar nicht gut aus ;)

Aber ich gehe davon aus es verhält sich ähnlich wie mit den Ohrringen, es gibt kein besser oder schlechter, die Risiken sind immer da.

23.05.2005 21.21 | tinaxyz | @ Wahala
vielleicht will es diese Entscheidung gar nicht treffen...

Ansonsten kann das "Kind" gerne mit 18 Jahren darüber selbst entscheiden.

Ich würde mein Kind ganz sicher nicht behindern. Aber ebenso wie ich keine Unterschrift für eine Tätowierung unter 18 geben würde, würde ich auch einer solchen OP nicht unter 18 zustimmen.

23.05.2005 23.08 | joan |
und weils grad so schön ist:

von meinen drei unbeschnittenen söhnen hat noch keiner den wunsch geäußert, sich beschneiden zu lassen, und es hat sich noch keiner beschwert, dass es an ihnen nicht gemacht wurde.

sie sind jetzt 22, 20 und 14 jahre alt.

24.05.2005 07.28 | joan | RE: was mich beschäftigt Teil II
Was Joan über die Risiken u. Folgen geschrieben hat, sehe ich übrigens nicht so. Das war schon sehr "Horror"

joan ist kein experte.

ich habe das schon von einer experten-site übernommen.

im übrigen, ich sags hier nochmal (hab ich glaube ich schon hundertmal gemacht):

in den händen des beschneiders, der unseren zweiten sohn hätte beschneiden sollen, ist um die selbe zeit ein kleiner junge gestorben. dieser junge wäre jetzt 20 jahre alt.

aber wie gesagt, es kräht kein hahn danach....

24.05.2005 07.31 | joan |
Joan, kannst du dir vorstellen dass es Menschen gibt die in gewissen Situationen sich absolut schwer tun mit Kompromissen?


liebe itohan, ich sehe da keinen sehr schwierigen kompromiss:

aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

der gute mann kann es dem jungen ja schmackhaft machen, und dieser legt sich dann freiwillig unters messer.

abschneiden läßt sich das teil doch auch später noch, wozu die eile?

24.05.2005 07.35 | joan |
anwu, ich lebe immer noch ohne ohrringe.

aber vielleicht ist es ja das, was mich so derart bösartig und sarkastisch macht?

übrigens habe ich da eine teuflische theorie warum du gerade im punkt jungenbeschneidung nachgeben willst, obwohl du dich sonst gern durchsetzt:

im gegensatz zu vielen anderen themen betrifft es ja nicht direkt dich, sondern den jungen.

da läßt sich's doch viel leichter nachgeben, oder?

24.05.2005 09.19 | Anwu |
Originally posted by joan

übrigens habe ich da eine teuflische theorie warum du gerade im punkt jungenbeschneidung nachgeben willst, obwohl du dich sonst gern durchsetzt:


böse, teuflilsche Joan! :wink:

ich setze mich nicht prinzipiell gern durch.
ich lasse mich von plausiblen Argumenten überzeugen. aber ein paar Argumente brauche ich schon.

nur weil es angeblich hübsch aussieht und 'man' es so macht, reicht mir nicht.

kommt der Junge mal Jahre später zum Papi und fragt: warum bin ich beschnitten? und der Vater dann sagt: weil es besser aussieht! wird dem Jungen meiner Meinung nach ein oberflächliches, auf Äusserlichkeiten basierendes Weltbild vermittelt.

schön aussehen über alles! dagegen habe ich mich ein Leben lang gewehrt.

Anwu

24.05.2005 10.05 | Jasintha |
Hallo Anwu,

ich habe jetzt in diesem Thread seit gestern abend nicht weiter gelesen, und weiss deshalb nicht, ob ich jetzt evt. ein anderes Posting wiederhole. Ich möchte jedoch noch folgendes zu deinem Problem sagen:

Warum ist es deinem Mann - ebenso wie vielen anderen afrikanischen Männern - so wichtig, dass die Söhne beschnitten werden?
Mir ist gestern ein Gedanke gekommen, der vielleicht total an den Haaren herbeigezogen ist. Vielleicht.
Nun, ich hatte die Idee, dass es eine Art Initiationsritus sein könnte, ein Eintritt in die (jeweilige) afrikanische Gesellschaft. Damit werden die Jungs in die Gemeinschaft aufgenommen - ähnlich wie bei uns durch die Taufe.
Könnte es sein, dass dein Mann eurem europäisch-afrikanischen Sohn damit einen kleinen Teil s e i n e r eigenen (nigerianischen) Identität geben möchte? Ist es für ihn ein Zeichen, dass das Kind auch der nigerianischen Gemeinschaft angehört?

Mir kam dieser Gedanke, als ich mir überlegte, ob ich mein Kind (a.) überhaupt taufen lassen wollte und (b.) wenn ja, ob evangelich oder katholisch. Ich kam zu dem Schluss, dass ich es taufen lassen würde, obwohl ich nicht religiös bin. Und zwar evangelisch, obwohl der Kindsvater katholisch wäre. Warum? Es wäre für mich ein Zeichen der Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft, in die es (und ich) hineingeboren worden wäre.

Könnte es nicht sein, dass die afrikanischen Männern ähnlich empfinden??????

(Aber wie gesagt, vielleicht ist das auch ein reines Gedankenkonstrukt).

24.05.2005 10.05 | joan |
ja sicher stimmt das.

wie auch die jüdische beschneidung das kind jüdisch machen soll, macht die afrikanische beschneidung das kind afrikanisch.

es ist eine reine identitäts- bzw. identifizierungsangelegenheit.

einen gesundheitlichen oder irgendwie anders gegebenen sinn und zweck hat eine beschneidung nicht.

24.05.2005 10.12 | liesa |
EHM und welche Idendität haben dann unbeschnittene ? ?( Ich glaube nicht, das mann sich über mit oder ohne devinieren kann.

24.05.2005 10.16 | Jasintha | @ Joan
Nun, ich habe schon öfters von Beschneidungen bei deutsch- deutschen Jungs gehört, die aus Gesundheitsgründen vorgenommen worden sind...

24.05.2005 10.21 | joan | RE: @ Joan
wenn eine operation aus gesundheitsgrüden notwendig ist, ist das doch ganz was anderes.

es werden aus gesundheitsgründen auch beine amputiert, und man KANN auch ohne milz leben....

24.05.2005 10.22 | Jasintha |
Das ist eine Sache, die nichts mit Rationalität zu tun hat, sondern mit Emotionen, Gefühlen.

Es wäre schließlich für das reale Leben auch egal, ob mein Kind getauft werden würde, oder nicht. Deshalb wäre es trotdem mein Kind, und zur Hälfte in der protestantischen deutschen Kultur verwurzelt. Auch die fehlende Taufe würde an seiner tatsächlichen Identität als deutsch-afrikanisches Kind nichts ändern.

24.05.2005 10.26 | joan |
ja sicher.

bei männer und frauen ist es ja ähnlich.

wenn eine frau angeblich der mann im haus ist, wie sollte das reell funktionieren?

es ist rein gefühlsmäßig...

24.05.2005 10.41 | Jasintha |
Joan, was soll das?

24.05.2005 10.51 | Jasintha | RE: @ Joan
Wie ich schon sagte, in Deutschland werden an den Krankenhäusern täglich sehr, sehr viele weitaus größere OP's vorgenommen, die medizinisch nicht notwendig sind, den "Wirtschaftsbetrieben Krankenhaus" aber viel Geld einbringen.

Es gab zu diesem Missstand übrigens auch mal eine Wieso-Sendung.

24.05.2005 10.54 | tinaxyz |
Original von Jasintha
Das ist eine Sache, die nichts mit Rationalität zu tun hat, sondern mit Emotionen, Gefühlen.

richtig, und zwar mit deinen Emotionen und Gefühlen. NIcht denen des Kindes. Oder halt: es darf zwar über seinen Körper nicht entscheiden, aber die Emotionen und Gefühle des Schmerzes, die hat es schon und nicht du.

Ich glaube auch - unabhängig von Jasintha - dass etwas daran ist, dass es das Kind betrifft und nicht einen selber.

Schließlich hat der Ehemann es ja auch überstanden und ergo wirds schon nicht so schlimm sein und - auch wenn es schwerfällt es zuzugeben oder den Gedanken zuzulassen - könnte es auch sein, dass man es zulässt, weil es das Baby und nicht einen selbst betrifft.

Ich glaube auch, dass sich deshalb einige Mütter umentscheiden, wenn das Kind erstmal da ist. Dann ist das ganze nicht mehr nur hypothetisch, sondern real, ein echter Mensch über den man sich da das Recht herausnimmt (nicht hat!), zu verfügen.

24.05.2005 10.56 | tinaxyz | RE: @ Joan
Original von Jasintha
Wie ich schon sagte, in Deutschland werden an den Krankenhäusern täglich sehr, sehr viele weitaus größere OP's vorgenommen, die medizinisch nicht notwendig sind, den "Wirtschaftsbetrieben Krankenhaus" aber viel Geld einbringen.


das erinnert mich an:

Mama, der hat mich aber viel doller gehauen als ich ihn.

Als ob man eine Entscheidung damit rechtfertigen könnte, dass es noch viel schlimmere Entscheidungen gibt. Den Satz "alles ist relativ" halte ich hier für unangebracht.

24.05.2005 11.26 | joan |
was soll was?

das ein kind halb afrikanisch ist wenn ein elternteil afrikanisch ist, hat doch ganz reell mit beschneidung nichts zu tun.

aber durch die beschneidung wird sowas gefestigt, gekennzeichnet.

ich habe es nur verglichen mit dem seltamen spruch vieler "leidender" ehemänner, die meinen, "ich bin der mann im haus".

da muss ich mich wiederholen, und nochmal sagen, "no na", ich sicher nicht!

24.05.2005 11.33 | Bine | @Itohan
Hallo Itohan,

ich habe ja drei "Beschnittene", die als eine Minderheit in einer Gesellschaft der Unbeschnittenen leben.

Meine Erfahrung ist die:

Alle drei finden, dass ihr Schniedel im Vergleich zu den anderen einfach unschlagbar gut aussieht
Alle drei haben keinerlei negative Erinnerungen an die OP
Alle drei finden es lustig, wie die "Unbeschnittenen", die sie beim Urinieren im Jungs-Klo oder Pissoir treffen, an ihrer Vorhaut rumfummeln und schieben müssen, bis es endlich funktioniert
Von keinem von ihnen habe ich je den Satz gehört: "Ich wünschte, ich wäre unbeschnitten!"

Die Crux ist, dass ich mir sicher bin, dass sich keiner von ihnen freiwillig dieser OP unterzogen hätte, wäre sie nicht medizinisch notwendig gewesen.

Ich kenne auch keinen einzigen erwachsenen Mann, der dies aus rein ästhetischen Gründen gemacht hätte.

Vielleicht wird die OP im Kindsalter durchgeführt, eben weil es jedem erwachsenen Beteiligten klar ist (vor allem denen, die die Beschneidung unbedingt wollen), dass das betroffene Kind die Zustimmung zu obengenannter OP im Erwachsenenalter aller Wahrscheinlichkeit nach verweigern würde?

Wenn man diesen Gedanken dann weiterspinnt...

Bine

24.05.2005 11.33 | Anwu |
Jasintha
das habe ich mir auch schon überlegt.
aber eine richtige Initiation ist es ja nicht: es würde kein Fest geben, keine Geschenke... nichts. nur eine Beschneidung, so früh wir möglich.

ich habe mir nun überlegt, dass ich - wenn wir es wirklich machen - die Sache selber in die Hand nehmen werde. am Anfang habe ich ja noch gesagt: ok, mach was du willst, ich will aber nichts damit zu tun haben.
jetzt denke ich eher: wenn schon, dann will ich es auch organisieren.

aber wer weiss, vielleicht wird es ja ein Mädchen. oder ein Junge mit zu enger Vorhaut. was die Sachlage klar verändern würde.

Anwu

24.05.2005 11.52 | tinaxyz |
Original von Anwu
jetzt denke ich eher: wenn schon, dann will ich es auch organisieren.


du willst also etwas tun, von dem du nicht überzeugt bist.

Warum?

Weil du deinem Mann nicht zutraust es selber zu machen? Eine richtige Entscheidung für euer Kind zu treffen?

Es klingt für mich sehr nach: ich wills zwar nicht, aber wenn es gemacht werden soll, dann kümmere ich mich darum, dann geht wenigstens nichts schief. Ich kann das alles viel besser.


Verantwortung abzunehmen hat oftmals Verantwortungslosigkeit zur Folge. ;)

24.05.2005 11.54 | Speedy |
@anwu

Ich würde jetzt erst mal abwarten bis Du ganz sicher weisst, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird ;). Wenn es ein Junge sein sollte, dann rede nochmals mit deinem Mann begründe ihm warum du das Kind nicht beschneiden lassten möchtest und frage ihn er solle Dir Gründe nennen warum er ihn beschneiden lassen will, Gründe und nicht einfach nur, weil es so ist und dann lasse Dich mal beraten vom Kinderarzt, denn die kennen sich bestimmt bestens aus damit, denn es werden immer mehr Kinder beschnitten (da es immer mehr Vorhautverengungen gibt).

Liebe Grüsse

speedy

24.05.2005 12.03 | tinaxyz |
Original von Speedy
...es immer mehr Vorhautverengungen gibt



wirklich? ist das Hörensagen oder gibts da ne Quelle?

24.05.2005 12.07 | Jasintha |
Nun, dasnn haben wir eine unterschiedliche Meinung zu diesem Thema. Allerdings sehe ich in diesem Fall keinen Zusammenhang mit evt. Machtspielchen in Bezug auf Über- und Unterordnung - und wenn es doch so wäre, dann wäre es schlecht um Anwus Beziehung bestellt. Das Thema: "Beschneidung des Sohnes - ja oder nein?" stellt jedoch ein Problem dar, dass durchaus den Zusammenhalt des Paares auf die Probe stellt.

Ich stelle mir die Frage: Ist es das wert, wenn es für meinen Partner von immenser Bedeutung ist? Was sind die Vorteile - was sind die Nachteile? Muss unser Sohn deshalb für den Rest seines Lebens leiden?

Anwu hat sich für einen Mann aus einem anderen Kulturkreis entschieden - da ist vorprogrammiert, dass es in manchen Situationen zu Konflikten kommen wird. Nun ist doch die Hauptsache, sie auf eine Art und Weise zu lösen, die für beide Seiten zufriedenstellend ist.

Ein Kompromiss ist hier jedoch unmöglich. Nun stellt sich mir auch die Frage, was es für Anwus Mann bedeuten würde, wenn sie ihre Zustimmung verweigern würde. Hätte er evt. das Empfinden, dass man seinen Sohn von seinen afrikanischen Wurzeln fernhält?

Es geht schließlich um eine Entscheidung, die Anwu und ihr Mann irgendwie gemeinsam tragen können, die beide gleichermassen tragen können - und nicht um Recht oder Unrecht haben, um Über- oder Unterordnung. Es geht um die Möglichkeit, eine Beziehung, die auf unterschiedlichen kulturellen Wertevorstellungen beruht, auf eine gesunde Basis zu stellen.

24.05.2005 12.14 | Jasintha |
Da hast du natürlich Recht, für den kleinen Jungen bedeutet der Eingriff Schmerz.

24.05.2005 12.16 | tinaxyz |
Original von Jasintha
Ist es das wert, wenn es für meinen Partner von immenser Bedeutung ist?

wenn es um den Mann geht- meiner kann sich tätowieren lassen, wenn ihm das von immenser Bedeutung ist.
Hier allerdings geht es um einen Dritten, der sich nicht äußern kann. Was ist denn meine Meinung wert, wenn es für mich von immenser Bedeutung ist? Schließlich kann man auch argumentieren, dass der nigerianische Mann eine deutsche Frau zur Mutter seines Kindes gemacht hat- zählt die nichts und ihre Wünsche?

und immer noch am wichtigsten für mich: Was ist der Körper des Kindes wert? und SEINE Meinung?

Original von Jasintha
Ein Kompromiss ist hier jedoch unmöglich.

das ist richtig- man kann die Entscheidung jedoch vertagen. Jeder gibt sich mit dem Wunsch des Kindes zufrieden. Will es eine Beschneidung, gut, will es keine, auch gut.


Original von Jasintha
Hätte er evt. das Empfinden, dass man seinen Sohn von seinen afrikanischen Wurzeln fernhält?

afrikanische Wurzel = Beschneidung?`

und auch hier kann man es wieder rumdrehen: man hält den Sohn von seinen europäischen Wurzeln fern, indem man ihn beschneidet. Und das wo er HIER aufwächst und nicht in Afrika...



Original von Jasintha
... Über- oder Unterordnung... Es geht um die Möglichkeit, eine Beziehung, die auf unterschiedlichen kulturellen Wertevorstellungen beruht, auf eine gesunde Basis zu stellen.


doch es geht AUCH um Über- oder Unterordnung. Um das Kindeswohl geht es ganz sicher NICHT. (dann würde man beschneiden, wenn die medizinische Notwendigkeit vorliegt oder es selbst entscheiden kann).
Es geht auch darum, wer sich in dieser Frage durchsetzt.

Und ja, es ist auch eine Möglichkeit, einen gemeinsamen Weg zu finden.
Für mich allerdings ist es so, dass das NUR möglich ist, wenn man von sich selbst weggeht und wieder auf das KIND schaut.

24.05.2005 12.33 | Jasintha |
Warum sollte es der Mann "alleine" machen?
Entweder sollten beide Partner die Entscheidung tragen, oder es sollte gar nicht gemacht werden. Außerdem wird der Mann sicherlich nicht selber losschneiden, sondern den Eingriff von einem erfahrenen Fachmann / einer erfahrene Fachfrau vornehmen lassen.

24.05.2005 12.45 | Bine | @Jasintha
Original von Jasintha
Nun, dasnn haben wir eine unterschiedliche Meinung zu diesem Thema. Allerdings sehe ich in diesem Fall keinen Zusammenhang mit evt. Machtspielchen in Bezug auf Über- und Unterordnung - und wenn es doch so wäre, dann wäre es schlecht um Anwus Beziehung bestellt. Das Thema: "Beschneidung des Sohnes - ja oder nein?" stellt jedoch ein Problem dar, dass durchaus den Zusammenhalt des Paares auf die Probe stellt.

Ich stelle mir die Frage: Ist es das wert, wenn es für meinen Partner von immenser Bedeutung ist? Was sind die Vorteile - was sind die Nachteile? Muss unser Sohn deshalb für den Rest seines Lebens leiden?

Anwu hat sich für einen Mann aus einem anderen Kulturkreis entschieden - da ist vorprogrammiert, dass es in manchen Situationen zu Konflikten kommen wird. Nun ist doch die Hauptsache, sie auf eine Art und Weise zu lösen, die für beide Seiten zufriedenstellend ist.

Ein Kompromiss ist hier jedoch unmöglich. Nun stellt sich mir auch die Frage, was es für Anwus Mann bedeuten würde, wenn sie ihre Zustimmung verweigern würde. Hätte er evt. das Empfinden, dass man seinen Sohn von seinen afrikanischen Wurzeln fernhält?

Es geht schließlich um eine Entscheidung, die Anwu und ihr Mann irgendwie gemeinsam tragen können, die beide gleichermassen tragen können - und nicht um Recht oder Unrecht haben, um Über- oder Unterordnung. Es geht um die Möglichkeit, eine Beziehung, die auf unterschiedlichen kulturellen Wertevorstellungen beruht, auf eine gesunde Basis zu stellen.

so ist es natürlich schwierig, zu diskutieren. ich habe viele gute ARgumente (hier im Forum gesammelt! ), er hat keine. aber 'meine' zählen nicht.
aber er findet, es müsse schon sonst immer nach meinem Kopf gehen.

ich weiss mittlerweile nicht mehr so genau, um was es mir geht. dass dieser kleine Eingriff (doch, für mich ist es noch ein kleiner Eingriff) nicht vorgenommen wird, oder darum, dass ich diesen Kampf gewinne?

Anwu

Hallo Jasintha,

falls dir das nicht aufgefallen sein sollte:

Das Gleichgewicht und die "gesunde Basis" (wie du es so wunderschön blumig beschrieben hast) stimmt allem Anschein nach sowieso nicht, oder wie interpretierst du Anwus obiges Statement?

Man kann alles durch die rosa Brille sehen, wenn man es denn nur will und sich lange genug anstrengt.

Und ich gehe noch einen Schritt weiter:
Was hat Beschneidung denn mit afrikanischen Wurzeln zu tun?

Egal, wie du es drehst, wendest und zu erklären versuchst:
Am Ende dieser Auseinandersetzung wird einer von beiden klein beigeben.
Und es ist mir absolut klar, dass es nicht der männliche Part davon sein wird.

Es geht schließlich um eine Entscheidung, die Anwu und ihr Mann irgendwie gemeinsam tragen können, die beide gleichermassen tragen können - und nicht um Recht oder Unrecht haben, um Über- oder Unterordnung. Es geht um die Möglichkeit, eine Beziehung, die auf unterschiedlichen kulturellen Wertevorstellungen beruht, auf eine gesunde Basis zu stellen

Es geht nicht um unterschiedliche kulturelle Wertvorstellungen. Vergiss das mal lieber ganz schnell.
Es geht darum, dass Anwus Mann das Kind - sollte es denn männlichen Geschlechts sein - beschneiden lassen WILL.

Anwus Argumente dagegen sind ihm dabei völlig egal.

Und da Anwu ihren Mann sehr liebt, wird sie gegebenenfalls eher ihren Sohn opfern, als es auf eine ziemlich unschöne Auseinandersetzung mit Papi ankommen zu lassen und damit "ihre glückliche Beziehung, basierend auf Respekt und Zuneigung vor- und zueinander" auf die Probe zu stellen. Denn Proben dieser Art können leicht zu wirklichen Zerreissproben werden.

Aber das merkt man natürlich erst dann, wenn man anfängt, seine eigene Meinung genauso vehement zu verteidigen und zu verfolgen, wie das Gegenüber es tut.

Insofern sehe ich keine Gefahr für das glücklich verheiratete Paar.

:rolleyes:

Bine

24.05.2005 12.49 | Jasintha |
Schade, dass sich Omu nicht meldet. Vielleicht könnte sie etwas über die Hintergründe dieser traditionellen Sitte sagen....

Die europäische Ansicht diskutieren wir ja hier zur Genüge:
- Menschenrecht auf Unversehrtheit des eigenen Körpers
- gesundheitliches Risiko infolge eines unnötigen Eingriffs
- Geste der Unterwerfung der europäischen Frau unter den afrikanischen Mann


Wie sieht denn die afrikanische Argumentation aus?
(Pro und auch Contra Beschneidung)

24.05.2005 12.49 | Bine | afrikanische argumentation@Jasintha
Original von Jasintha
Schade, dass sich Omu nicht meldet. Vielleicht könnte sie etwas über die Hintergründe dieser traditionellen Sitte sagen....

Die europäische Ansicht diskutieren wir ja hier zur Genüge:
- Menschenrecht auf Unversehrtheit des eigenen Körpers
- gesundheitliches Risiko infolge eines unnötigen Eingriffs
- Geste der Unterwerfung der europäischen Frau unter den afrikanischen Mann


Wie sieht denn die afrikanische Argumentation aus?


"because it`s a nice thing" = die afrikanische Argumentation.

Bine

24.05.2005 12.52 | Jasintha | RE: afrikanische argumentation@Bine
Vielleicht finden wir hier ja noch jemanden, der diese Aussage etwas näher erläutern kann!

24.05.2005 12.56 | Maleika | unwiderruflich bestohlen....
(Tina, ich hänge meine mail einfach mal bei Dir an...)

Hallo, ihr Lieben

ich hatte sofort vom Anfang dieses Themas an einen Gedanken, habe mir extra alles durchgelesen und wundere mich doch stark, dass von keiner Einzigen ein ebenfalls äusserst wichtiger Punkt erwähnt wurde: ihr stehlt euren beschnittenen Söhnen unwiderruflich etwas!

Ich weiss ja nicht, was ihr für sexuelle Erfahurngen habt, wie gut eure früheren "Lover" waren, aber ich vermute mal, dass die wenigsten hier mit beschnittenen Männern "angefangen" haben und sehr wohl den Unterschied kennen. Welchen Unterschied? Was ein beschnitter und ein unbeschnittener Mann beim Sex bzw. beim Berühren des Penis fühlen können.

Ein (bereits als Kind) beschnittener Mann kann da überhaupt nicht mitreden und hat nicht die geringste Ahnung, was er seinem Sohn nimmt.

Fakt ist doch, dass es "Praktiken" gibt, bei denen ein unbeschnittener Mann abgeht wie die Feuerwehr - einem Beschnittenen entlockt das nur ein müdes Lächeln und ein ungeduldiiges"jetzt lass uns mal richtig Sex machen". Ist das vielleicht auch mit ein Grund, dass (aua, ich zieh jetzt schon den Kopf ein!) viele afrikanische Männer schlechte, phantasielose Liebhaber sind? Für sie selber gibt es nur den reinen Sexualakt, und wenn sie berührt werden, spüren sie (im Vergleich zu einem unbeschnittenen Mann) nicht so viel - und dementsprechend behandeln sie dann auch ihre Partnerin.

Leidergottes lässt sich ja nichtmal das Vorurteil, beschnittene Männer seien ausdauernder, bestätigen... :(

Ich habe afrikanische Männer (Ex-Freund bspw.) mit sehr großer Verwunderung reagieren sehen, wenn wir über das Thema geredet haben und ich ihnen erzählt habe, wie unbeschnittene Männer beim Sex sind und wie sie reagieren und was sie empfinden (ja, neugierig wie ich bin rede ich mit Partner über sowas). Sie kannten diese Gefühle (aus Sicht des Mannes natürlich) gar nicht. 8o

Ehrlich gesagt finde ich einen beschnitten Mann schon ästhetisch und allemal hygienischer.

Aber wenn es um meinen Sohn ginge, würde ich ihm dies nie antun - ich wüsste genau, was ich ihm nehme.

IHR müsstet eigentlich beurteilen können, was einem kleinen Jungen bei der Beschneidung für den Rest seines Lebens genommen wird - eure beschnittenen Männer können es nicht!

24.05.2005 13.01 | Jasintha | RE: unwiderruflich bestohlen....
Ich kann es als Frau nicht beurteilen. Aber ein europäischer Mann könnte es... Vermutlich wird sich aber leider keiner dazu äußern. Schade.

24.05.2005 13.07 | kalamity | @liesa
DA liegt meiner Meinung nach der Denkfehler: Es hat Konsequenzen, wenn ein Bub beschnitten ist. Ist er es nicht, dann hat es - zumal in unserer Kultur - echt absolut KEINE Konsequenzen, es handelt sich vielmehr um die Aufrechterhaltung eines angeborenen Zustandes.
Und warum es den zu berichtigen gilt, kann mir keiner glaubwürdig erklären.

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