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Meet Adichie |
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| 09.04.2008 12.47 | Anya | Meet Adichie |
Vorgestern hat sich Chimamanda Ngozi Adiche mit einer anderen, ich glaube englisch-nigerianischen, Autorin über ihr Buch Half of a Yellow Sun unterhalten.
Man hat dabei ein wenig über ihren Hintegrund erfahren. Z.B. das sie die Tochter eines Matheprofessors, auf dem Unikampus aufgewachsen ist und mehrere Brüder hat. Sie sollte ursprünglich Ärztin werden, hat nach einem Jahr jedoch das Medizinstudium aufgegeben.
Dann hat sie auch über ihre anfänglichen Schwierigkeiten mit Verlegern berichtet. Einer mochte ihr Buch, wusste jedoch nicht wie er das Thema vermarkten könnte. Wenn sie Indisch wäre, hätte sie wenigsten in die "Ethnisch"-Spalte gepasst. Sie bekam auch den Tipp, ihren Roman Purple Hibiscus nach Amerika zu verlegen.
Letzendlich wurde jedoch eine Fassung von Purple Hibiscus, die in Nigeria spielt, veröffentlich und sogar für den Orange Prize nominiert. Leider ging der Preis in jenem Jahr jedoch an einen anderen Autoren. Den Orange Prize gewann sie letzendlich dennoch und zwar mit ihrem zweiten Buch, Half of a Yellow Sun.
Half of a Yellow Sun erzählt die Geschichten von mehreren Personen, die den Biafrakrieg miterleben. Von Adichies Bemerkungen zum Buch selbst ist mir folgendes in Erinnerung geblieben:
Die beiden Schwestern sind Zwillinge um ein ungleiches Machtverhältnis auf Grund des Altersunterschieds zu vermeiden.
Eine der Schwestern ist dunkel und dünn, die andere hell und runder. Die mit der helleren Haut und mehr Fleich auf den Knochen wird als die schönere angesehen. Adichie will jedoch mit der anderen Schwester zeigen, dass auch dunkel und dünn schön ist.
Normalerweise werden Frauen in Sexszenen als die Gebenden dargestellt. Adichie hat diese Szenen in ihrem Buch aber so dargestellt, dass klar wird, dass Sex auch der Frau Freude bereiten kann. Deshalb erhielt sie dann auch eine Email, in der eine Frau aus Lagos schrieb, dass sie ihre 16-jährige Tochter nicht Half of a Yellow Sun lesen lassen könne (weil Sex als etwas Schönes in dem Buch dargestellt wird). Adichies Antwort darauf war, dass die Tochter über die Dinge, über die sie in diesem Buch schreibt, wahrscheinlich schon Bescheid wisse und dass die Mutter lieber mit ihrer Tochter über Sex reden sollte anstatt das Thema zu ignorieren.
Der Zeitsprung in die Zukunft mitten im Kriegsgeschehen ist dazu gedacht den Leser dazu erinnern, dass die Charaktere auch ein normales Leben hatten (und wieder haben werden).
Am schwersten fiel der Autorin die Vergewaltigungszene. Sie wollte auf jeden Fall eine im Buch haben. Sie hat auch ganz bewusst die Akteure gewählt: Igbo Soldaten, die eine Igbo vergewaltigen. Eines der Probleme war, dass Ugwu an der Vergewaltigung beteiligt war und sie es so darstellen wollte, dass man in immer noch danach leiden konnte.
Adichie wurde einige Jahre nach dem Biafrakrieg geboren. Sie hat einen besonderen Bezug zu Biafra, da ihre Familie den Krieg durchlebt hat. Ihr ist aber auch klar, dass Biafra kein Utopia war. Einer ihrer Onkels, der sein weniges Geld auf der Bank und mehr während des Krieges verloren hat, dagegen meint, alles wäre heute besser, wenn Biafra nur den Krieg gewonnen hätte. Sie selbst scheint sich sowohl als Igbo als auch als Nigerianerin zu betrachten. Sie erzählte auch, dass sich nicht nur die Igbo abspalten wollen, sondern auch andere Gruppen, z.B. die Yoruba und der Norden.
Adichie bemerkte, dass sie das Buch besonders für Nigerianer und zwar alle Nigerianer und nicht nur die Igbo geschrieben habe. Sie hat positiven Feedback aus ganz Nigeria, z.B. aus dem Norden, aber auch negativen Feedback, u.a. auch von Igbo, bekommen.
Auf die Frage, wie sie darüber denke, dass ihr Buch in der Sektion "Schwarze Literatur" steht antwortete sie, dass sie diesen Bereich mit gemischten Gefühlen betrachte. Er vermittele ihr das Gefühl, dass Literatur von schwarzen Autoren weniger gut sei und deswegen eine eigene Sektion brauche. (Darauf meinte einer der Veranstalter am Schluss im Scherz, dass man Adichies Buch nun in der Erotiksektion (wegen der vielgepriesenen Sexszenen) finden würde.) |
| 09.04.2008 13.42 | Frida | RE: Meet Adichie |
Liebe Anya,danke für Deinen ausführlichen Bericht, der mich gleich veranlasst hat, das Buch von Adichie zu bestellen!Liebe GrüsseFrida |
| 09.04.2008 14.05 | Mango | RE: Meet Adichie |
Original von Anya
Vorgestern hat sich Chimamanda Ngozi Adiche mit einer anderen, ich glaube englisch-nigerianischen, Autorin über ihr Buch Half of a Yellow Sun unterhalten.
In welchem Rahmen fand dieses Gespräch statt, bzw. wie hast Du davon erfahren?
Das Buch hat mir sehr gefallen und diese Hintergrundinformationen finde ich auch interessant.
Gruß, Mango |
| 15.04.2008 11.34 | Anya | RE: Meet Adichie |
Hallo Frau Kahlo! Hallo Mango! Bite entschuldigt die Verspätung; ich bin momentan sehr gestresst an der Uni.
Das Gespräch fand in London (in der Nähe von Euston) im Rahmen einer Veranstaltung von Waterstone's (eine große Buchladenkette hier in England) statt. Der Veranstaltungsort war ein Theater in der UCL (University College London). Der Raum sieht so ähnlich wie ein Musicalsaal aus, mit hochklappbaren Sitzen, geneigtem Boden, Bühne, Scheinwerfern, Vorhängen, Sitzreihen eine Etage höher etc. Meine Freundin, die auch dabei war, bemerkte überrascht, wieviele Weiße (uns eingeschlossen) im Publikum saßen. Das bin ich jedoch schon von Birmingham gewohnt, wo zu den Vorlesungen der Afrikanisten auch mehr Weiße als Schwarze kommen. Fast alle Sitze waren belegt; nur zwischen den verschiedenen Gruppen, die zusammengekommen waren, befand sich oft noch ein einziger freier Platz.
Nach einiger Wartezeit kamen Adichie und Jackie Kay und setzten sich in die Sessel, die auf der Bühne für sie bereit standen. Ein Ansager stellte die beiden vor. Anschließend unterhielten sich Kay und Adichie, hauptsächlich über Adichies Buch Half of the Yellow Sun (siehe erstes Posting). Dabei erwähnte Adiechie u.a. auch, wie überrascht und erfreut sie über das positive Beurteilung von Chinua Achebe war, dass der Kommentar ihres Vaters "besser als das erste Buch" gewesen war und dass sie Hoffnung für ihre eigene Generation in Nigeria habe. Adichie fiel jedoch ein paar mal aus der Rolle und stellte Kay ihrerseits Fragen.
So erkundigte sie sich z.B. über den nigerianischen Vater Kays. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie Kays Eltern sich traffen, zusammenkamen und wieder trennten. Jedoch erinnere ich mich an der Erzählung über das erste Wiedersehen mit ihrem Vater. Kay flog nach Nigeria und wurde dort von ihrem Vater in einem Hotel empfangen. Seine Familie sollte nichts von ihr wissen. Kays Vater ist ein Prediger in einer der Penticostal Churches. Dadurch kamen Adichie und Kay auf Religiösität in Nigeria zu sprechen. Adichie bemerkte z.B., dass an jeder Ecke eine Kirche zu finden sei. Den Vater hat Kay seitdem nicht mehr gesehen. Sie erhielt jedoch von Adichie die Einladung sie in Enugu zu besuchen.
Dieses Gespräch war gefolgt von Fragen aus dem Publikum. Einige der Fragen, die ich nicht im ersten Posting erwähnte habe, waren:
Werden Sie irgendwann mal auf Igbo schreiben? Adichie antwortete, dies sei unwahrscheinlich, da ihr geschriebenes Igbo nicht so gut sei. Jedoch würde sie diese Option nicht ausschließen - nur dann wahrscheinlich nicht in Amerika, da die Verleger dort schon Probleme mit den paar Igbo Wörtern in Purple Hibiskus hatten.
Werden Sie irgendwann Ihre Kurzgeschichten veröfftenlichen? Antwort: vielleicht.
Letztendlich wurde das Ende der Veranstaltung verkündigt und dass man Bücher von Adichie und Kay inm Vorraum kaufen und dann von den Autorinnen signieren lassen konnte. |
| 15.04.2008 12.32 | Mango | RE: Meet Adichie |
Danke für diese Ergänzung. Das macht es doch sehr viel plastischer. War bestimmt eine inspirierende Veranstaltung.
Gruß, Mango |
| 15.04.2008 12.53 | Anya | RE: Meet Adichie |
Ja, absolut. Adichie kam sehr sympatisch rüber und ich war erstaunt wie selbstbewusst und professional sie war (weil sie doch so etwa in meinem Alter ist und ich auf der Bühne nur rumgestottert hätte :LOL:). Sie hat mich jedenfalls beeindruckt, sowohl von ihrem Wesen her als auch von ihren Ansichten. Nun wünsch ich mir, ich hätte Zeit Purple Hibiscus zu lesen, vielleicht im Sommer ... |
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